Deutsche Sattler Zeitung v. 11. Januar 1908

GESCHICHTE DES SATTLERGEWERBES

Im 14. Jhdt.
war das Sattlerhandwerk häufig mit dem Handwerk der Schildermacher, die Abwehrschilde aus Leder und Metall fertigten, in einer Zunft vereint. In Köln bildeten
1397 die Kummetmacher eine eigene Zunft. Aus den Sattlern gingen wiederum die Riemer,
Beutler, Handschuhmacher und Nestler hervor. Die Sattler stellten Sättel, die Riemer Gurte und Riemen für das Zaumzeug her. 1689 waren in Frankfurt/Main die Sattler gleichzeitig auch Riemer. Sattler waren auch für die Lederausstattung der Kutschen zuständig, stellten Koffer und Reisetaschen her, waren

seit dem 17. Jhdt. auch als Polsterer und später – vor allem auf dem Land – als Tapezierer tätig.

 

Anfangs gerbten die Sattler die Häute, die sie von Metzgern und Abdeckern kauften, selbst;
später bezogen sie diese dann auch von den Gerbern.
Die Produkte wurden meist im Auftrag hergestellt. Vielfach zogen Sattler mit ihrem
Handwerkszeug über Land (Stör), um dort vor Ort nach Bedarf ihre Produkte herzustellen.

1884 wurde der Bund der deutschen Sattler-, Riemer-, Täschner- und Tapeziererinnung in
Berlin mit 66 Innungen und 1400 Mitgliedern gegründet.

Berufschule Ried/I. ca. 1960
Berufschule Ried/I. ca. 1960

 

1950 Anfang der fünfziger Jahre gab es in Deutschland noch über 25.000 Sattlereibetriebe, die wegen der Motorisierung in der Landwirtschaft innerhalb weniger Jahre fast zur Gänze verschwanden.

 

Heute gibt es in Oberösterreich nur mehr wenige Betriebe, die ganz und gar von ihrem Handwerk leben.